Eine einfache Dramaturgie für ein eLearning Projekt

Wenn ein Präsenztrainer eine Schulung durchführt, entwickelt er einen dramaturgischen Ablauf. Es entstehen Spannungsbögen, Hinführungen, Aha-Situationen, Übergänge und Auflösungen. Dadurch entstehen Erkenntnisse beim Teilnehmer. Praktische Übungen führen zu vertiefenden Erkenntnissen, die zuvor nur Gesagtes eindrücklich und erfahrbar machen. Der Transfer auf den eigenen Alltag und die Überlegung der eigenen Umsetzungsschritte verankern das Gelernte nochmals.
Bei eLearning Kursen ist Gleichartiges notwendig.

Vor einiger Zeit war ich konfrontiert mit dem Wunsch eines Kunden, den Inhalt eines Präsenztrainings in einen eLearning-Kurs umzusetzen. Als Ausgangsmaterial erhielt ich mehrere Foliensätze. Ein Foliensatz befasste sich mit Hygienevorschriften basieren auf dem HACCP-Konzept. Der Einstieg in diese Folien war eine Erklärung was HACCP ist, wie es entstanden ist und welche Funktionen dieses Konzept enthält.
In meinem Kopf entstand die Frage, wozu in aller Welt sollen sich die Verkäufer/innen im Lebensmittelhandel damit befassen. Was nützt ihnen dieses Wissen? Für sie ist interessant wie HACCP ganz praktisch umgesetzt wird. Am Ende des Trainings kann vielleicht noch ein Hinweis darauf erfolgen, dass genau dieses Vorgehen begründet ist im Konzept HACCP.

Es wird ein anderer Ansatz benötigt, um Interesse zu wecken. Er könnte so aussehen:
Ein praktisches Beispiel aus dem Alltag macht ein Problem klar. Es wird gezeigt, warum das für Mitarbeiter, Kunden und das Unternehmen ein Problem darstellt und wie eine bessere Lösung aussieht. Dann kann HACCP als Hintergrund dargestellt werden mit dem Ziel, Verständnis dafür herzustellen, dass auch in anderen Situationen das Denken von HACCP hilfreich ist.

Ein anderer Kunde bat mich um die Abschätzung des Aufwandes zur Umsetzung einer Powerpoint-basierten Schulung in ein eLearning-Angebot. Die überlassene Powerpoint-Präsentation begann mit der Unternehmensgeschichte, der Branchenstruktur, den Unterschieden des Unternehmens im Vergleich zu anderen Unternehmen am Markt und den Anforderungen der verschiedenen Branchenverbände etc. Nach 30 Folien kam man dann so langsam zu den Inhalten der Schulung mit den Sicherheitsfragestellungen für den Produktionsarbeitsplatz.

Bei eLearning-Kursen haben die Teilnehmer das Interesse verloren – oder gar nicht erst gefunden - wenn nicht spätestens auf der dritten Seite etwas entdeckt wird zu dem sie sagen: „Ja das scheint wichtig zu sein. Das habe ich mich schon immer gefragt.“ Neugier muss also geweckt werden.

Es ist nicht damit getan, die Powerpoint-Folien in ein bildschirmtaugliches Format umzuwandeln, das der Teilnehmer durchklicken kann. Auch das Ergänzen des Vortragstextes als Audiodatei zu den einzelnen Folien reicht nicht aus.

Auch in der Präsenzveranstaltung ist der langatmige Vortrag langweilig. Die Teilnehmer fragen sich, was das denn nun solle. Die soziale Kontrolle im Schulungsraum ist jedoch so groß, dass nur selten Protest aufkommt. Dieser Faktor fehlt beim Online-Lernen.

Ein Foliensatz ist ein guter Startpunkt für die Entwicklung eines Online-Trainings. Es braucht dazu jedoch weitere Informationen über den Lerngegenstand, praktische Beispiele, die im Vortrag genannt werden, um einen Punkt plastisch zu machen und Informationen über die typischen Fehler bei der Umsetzung des Lerninhaltes zu verdeutlichen. Daraus kann dann eine neue Dramaturgie entwickelt werden, die als Lerninhalt umgesetzt wird.

Eine einfache Dramaturgie
Die folgende Struktur ist ein Musterbeispiel für eine Dramaturgie, die leicht umgesetzt und erweitert werden kann:

1.    Startseite mit Aufforderung zum Einstieg
2.     Szenisches Hineinziehen des Teilnehmers in das Thema des eLearning-Pakets mit Aufzeigen einer lebendigen Problemsituation. Die Problemsituation braucht nicht aufgelöst zu werden. Dadurch entsteht ein Spannungsbogen, der die Frage aufwirft: „und, wie geht es weiter? Wie kann ich das Problem lösen?“ Dies nennt man einen Cliff-Hanger. In Fernsehserien wird er genutzt, um die Spannung aufzubauen, die bis zur nächsten Folge reichen muss.
3.    Teilnehmerorientiertes Aufzeigen der Inhalte des Kurses. Dabei wird der konkrete Nutzen beschrieben. Eine Darstellung der fachlich-didaktischen Ziele ist wenig motivierend und daher zu vermeiden.
4.1     Erstes Hauptkapitel, das an den Cliff-Hänger anschließt.
4.1.1     Erstes Unterkapitel mit einem Problemlösungsaspekt. Es endet mit einer offen geblieben Frage (neuer Cliff-Hanger), die im nächsten Abschnitt bearbeitet wird.
4.1.2.     ggfs. Zwischentest
4.2.2     Erstes Unterkapitel mit einem Problemlösungsaspekt. Es endet mit einer offen geblieben Frage (neuer Cliff-Hanger), die im nächsten Abschnitt bearbeitet wird.
4.2.2     ggfs. Zwischentest

5.1.     Nächstes Hauptkapitel
Hier kann nun durchaus die Struktur anders sein, da der TN schon gemerkt hat, er profitiert von dem Kurs. Die Abwechslung ist ein wichtiges strukturierendes Element und erleichtert die Umsetzungsarbeit.
    …
x..     Nun geht es zum Abschluss
x.1.     Eine szenische Zusammenfassung steuert auf das 'Happy End' hin. Zugleich wird aufgezeigt, dass es im Alltag immer zu Situationen kommen kann, die nicht mit dem gerade Gelernten auf Anhieb in Einklang zubringen sind. Nun wird aufgezeigt wo man dann Informationen findet  und wer bei Fragen hilft.
x2.     Nun wird noch einmal  zusammengefasst. 5 Punkte reichen. Drei Punkte sind besser.
x3.     Abschlusstest. Jetzt kommt es drauf an. Hat sich der TN alles gemerkt. Nein, nicht alles, sondern das worauf es ankommt. Das wird im Test abgefragt.
x4.     Endergebnis, Feedback und Danke schön.

 

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