Nachdenken über Blogs im Trainingsbereich

Blogs sind Web-Tagebücher. Webseiten, deren Inhalte in chronologischer Reihenfolge dargestellt werden.  Blogs laden die Leser ein, Kommentare abzugeben und dadurch eine Debatte mit den Autoren zu führen. Blogs stehen im Internet öffentlich für jedermann zum Lesen.  Blogs werden aber auch unternehmensintern geführt.

Viele öffentliche Blogs werden von den Nutzern wie klassische Webseiten wahrgenommen. Manche Blogs werden professionell betrieben. Bekannt sind z.B. der BILDblog oder Netzpolitik.org. Ich führe selber seit vielen Jahren einen Blog unter http://dialoge.info. Die meiste Zeit schreibt man in seinem Blog alleine vor sich hin. Selbst der bekannteste Weiterbildungsblogger Jochen Robes http://weiterbildungsblog.de erhält selten Kommentare. Ich verfolge auch manche Blogger auf Google+. Nur selten entsteht eine sachlich-fachlich für mich wertvolle Diskussion, die neue Erkenntnisse generiert. Die meisten Kommentare sind kurz, verweisen auf andere Quellen zum Thema. Tiefschürfend wird es fast nie.  Man könnte zu dem Schluß kommen: Blogs sind etwas für Selbstdarsteller. Ein bisschen extrovertiert muss man schon sein.

Dennoch: Blogs haben viel bewegt und sind im Netz wertvoll. Über die Jahre sind viele kontinuierlich gepflegte Inseln aus Blogs entstanden, die ich selber gerne als Informationsquelle und für die eigene Meinungsbildung nutze.

Interessanterweise haben die Lernplattformen in den letzten Jahren ebenfalls Blog-Funktionen integriert. Moodle, Docebo und Totara verfügen über die Möglichkeit, innerhalb der Lernplattform Blogs zu betreiben. Auch für das ePortfolio-System Mahara ist dies eine wichtige Funktion. Blogs können von jedem Nutzer still und heimlich für sich selbst geführt werden. Dann dienen sie z.B. der Lernprozessreflexion oder schlicht als Notizzettel. Sie können z.B. über das Nutzerprofil aufgerufen werden. Einzelne Beiträge können auch veröffentlicht werden. In Kursen können Blogs ebenfalls genutzt werden. Dabei können sie z.B. die Beiträge der Teilnehmer eines Kurses zu einem Tag/Schlagwort bündeln. Die Blogs verfügen auch über eine Kommentarfunktion.

Blogs in Lernplattformen haben den Vorteil, dass ich keine zusätzliche Software aufsetzen muss, die Nutzerverwaltung schon vorhanden ist und - und das finde ich besonders wichtig - einen Schutz vor der weltweiten öffentlichen Sichtbarkeit bieten.

Wozu dienen Blogs im Lernumfeld? Wenn man sich mit Blogs fürs Lernen befasst, muss man darüber nachdenken, welche Funktion sie haben und wie sie das Lernen befördern sollen. Hier ein paar Ansätze:

  • Ein Fachzdozent nutzt seinen Blog als Marketinginstrument, um seine Schulungsthemen zu präsentieren,
  • eine Fachfrau im Betrieb nutzt ihren Blog, um die Erfahrungen in einem Themenbereich weiterzugeben,
  • in einem Blog werden zu dem Thema des Kurses frei von allen Teilnehmenden Materialien, Ideen, Konzeptansätze gesammelt und präsentiert,
  • im Blog reflektieren die Teilnehmer individuell für sich zum Thema des Blogs und bereiten darüber eine Abschlussarbeit/-präsentation vor.

Gemeinsam ist diesen Ansätzen, dass ein Blog nicht ebenmal in 30 Minuten gefüllt wird. Es handelt sich um eine Aktivität, die über einen Zeitraum von mindestens einigen Wochen mit einer gewissen Regelmässigkeit betrieben wird.

Aus meiner Praxis mit freien Blogs im Web kann ich feststellen, dass ein Blog von anderen als relevant wahrgenommen wird, wenn sich darin immer wieder etwas tut, und es sich lohnt, von Zeit zu Zeit zurückzukommen und nach Neuem Ausschau zu halten. Wenn ich im Blog darauf setze, dass Reaktionen in Form von Kommentaren oder ganz niedrig schwellig mittels 'Likes' eingebracht werden, brauche ich eine Lernsituation, in der die Teilnehmer nicht nach 30 Minuten oder drei Stunden mit ihrem Lernstoff durch sind. Dies ist häufig bei online-Lernsituationen der Fall, die mit einzelnen WBTs bestückt sind oder nur ein Webinar umfassen. Über Blogs kann man nachdenken, wenn man tatsächlich wünscht, dass die Teilnehmenden miteinander in Kontakt geraten, sich zum Thema des Kurses austauschen, gemeinsam online an etwas arbeiten.

Noch weitergedacht kann man überlegen, Blogs als Lerninstrument zu nutzen, sie aber nicht mehr an einen Kurs zu koppeln. Lernen erfolgt schon längst nicht mehr ausschließlich in organisierten Strukturen. Ein Blog könnte als Teil einer Lernplatform die Kontinuisierung des Lernens vorantreiben. Lernen an einem Thema geht über die Dauer des gebuchten Kurses hinaus. Danach kann man sich weiter im Blog zum Thema informieren, Fragen stellen, Erfahrungen einstellen. Das Dilemma des nur mässigen Transfers des Gelernten in den Arbeitsalltag könnte mittels Blogs durchaus produktiv gelöst werden.

Ich mache mir jedoch keine Illusion: die Aktivierung der Lerner im Lernprozess ist immer eine Herausforderung. Die Aktivierung der Teilnehmenden, über den gebuchten Lernzeitraum aktiv am Thema zu bleiben, ist nicht geringer. Und auch für die den Lernstoff strukturierenden und vermittelnden Personen ist es eine Herausforderung. Denn sie müssen sich die Zeit dafür freischaufeln, am schon abgeschlossen gemeinten Thema dran zu bleiben, immer mal noch etwas nachzuschieben, auf Beiträge anderer zu antworten und so fort.

Die Lernplattformen stellen schon längst die Möglichkeiten dazu zur Verfügung. Die Nutzung  im Alltag in den berufsbegleitenden Lernangeboten innerhalb und ausserhalb der Betriebe hinkt den Möglichkeiten noch hinterher.

 

 

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