DigComp 3.0 in Moodle

DigComp 3.0 in Moodle: Digitale Kompetenzen sichtbar machen und wirklich nutzen

Digitale Kompetenz gehört heute zum Kern jedes Bildungsangebots – und doch bleibt oft unklar, was Lernende nach einem Kurs konkret können sollen. Der Europäische Referenzrahmen DigComp 3.0 gibt darauf eine präzise Antwort. Dieser Artikel zeigt, was der Rahmen leistet, warum er für die Kursgestaltung in Moodle wertvoll ist und wie Sie ihn in wenigen Schritten importieren.

Was ist DigComp 3.0?

DigComp – der Digital Competence Framework for Citizens – ist der offizielle Referenzrahmen der Europäischen Kommission für digitale Kompetenzen von Bürgerinnen und Bürgern. Er wurde 2013 erstmals veröffentlicht und vom Joint Research Centre (JRC) seither kontinuierlich weiterentwickelt. Version 3.0 erschien 2025 und ist die bisher umfassendste Fassung.

Der Rahmen beschreibt, welche digitalen Fähigkeiten Menschen im Alltag, im Beruf und beim Lernen benötigen. Er ist kein Lehrplan, sondern ein Kompetenzmodell: Er definiert, was jemand wissen, verstehen und tun können soll – nicht, wie das gelehrt werden soll. Genau das macht ihn für die didaktische Arbeit so nützlich.

Die fünf Kompetenzbereiche

DigComp 3.0 gliedert digitale Kompetenz in fünf Bereiche mit insgesamt 21 Einzelkompetenzen:

BereichKompetenzen
1. Informationssuche, -bewertung und -management1.1 Durchsuchen, Suchen und Filtern von Informationen
1.2 Bewertung von Informationen
1.3 Management von Informationen
2. Kommunikation und Zusammenarbeit2.1 Interagieren durch und mit digitalen Technologien
2.2 Teilen durch digitale Technologien
2.3 Digitale Teilhabe und Bürgerschaft
2.4 Zusammenarbeit durch digitale Technologien
2.5 Digitales Verhalten
2.6 Management der digitalen Identität
3. Erstellung digitaler Inhalte3.1 Entwicklung digitaler Inhalte
3.2 Integration und Weiterverarbeitung digitaler Inhalte
3.3 Urheberrecht und Lizenzen
3.4 Computational Thinking und Programmierung
4. Sicherheit, Wohlbefinden und verantwortungsvolle Nutzung4.1 Schutz von Geräten
4.2 Schutz personenbezogener Daten und Privatsphäre
4.3 Förderung des Wohlbefindens
4.4 Ökologische Auswirkungen digitaler Technologien
5. Problemerkennung und Problemlösung5.1 Erkennen und Lösen technischer Probleme
5.2 Identifikation von Bedarfen und digitalen technologischen Lösungen
5.3 Identifikation kreativer Lösungen mit digitalen Technologien
5.4 Identifikation und Bearbeitung digitaler Kompetenzbedarfe

Was ist neu in Version 3.0?

Im Vergleich zu früheren Versionen bringt DigComp 3.0 drei wesentliche Neuerungen, die für die Kursgestaltung relevant sind:

KI als durchgängiges Thema. Künstliche Intelligenz ist nicht mehr ein Randthema, sondern systematisch in alle fünf Bereiche integriert. Jede Kompetenzaussage ist explizit gekennzeichnet, ob KI-Systeme explizit relevant [AI-E] oder implizit betroffen [AI-I] sind. Das gibt Ihnen als didaktische Gestalterin oder didaktischer Gestalter eine klare Orientierung, wo KI-Kompetenz in Ihren Kursen eine Rolle spielt.

Vier statt acht Kompetenzstufen. Das neue Modell unterscheidet vier Niveaus – Basic, Intermediate, Advanced und Highly Advanced – und beschreibt jede Stufe mit konkreten Kompetenzaussagen (Competence Statements). Diese sind direkt als Lernziele verwendbar.

Neue Kompetenzen. Computational Thinking und Programmierung (3.4), ökologische Auswirkungen digitaler Technologien (4.4) sowie ein erweiterter Fokus auf digitales Wohlbefinden (4.3) wurden neu aufgenommen oder grundlegend überarbeitet.

Warum DigComp 3.0 für Lehrpersonen und didaktische Gestalterinnen und Gestalter?

Lernziele werden konkret und überprüfbar

Die Competence Statements von DigComp 3.0 sind so formuliert, dass sie sich direkt als Lernziele übernehmen lassen. Statt „Lernende kennen digitale Sicherheitsmaßnahmen“ formulieren Sie: „Lernende können grundlegende Geräteschutzmaßnahmen wie Antivirensoftware, Bildschirmsperrung und Multi-Faktor-Authentifizierung identifizieren und anwenden“ (CS4.1.04). Das ist präziser, beobachtbarer und leichter zu beurteilen.

Curriculum-Lücken werden sichtbar

Wenn Sie Ihr bestehendes Kursangebot gegen DigComp 3.0 mappen, sehen Sie auf einen Blick, welche Kompetenzbereiche abgedeckt sind und welche fehlen. Das ist besonders wertvoll bei der Überarbeitung bestehender Curricula oder bei der Konzeption neuer Lernpfade.

Anschlussfähigkeit für Lernende

DigComp ist ein europäischer Standard, der in nationalen Bildungsstrategien, Zertifizierungsprogrammen und Bewerbungsunterlagen (Europass, Open Badges) genutzt wird. Wenn Ihre Kurse explizit auf DigComp-Kompetenzen verweisen, erhöht das den nachweisbaren Wert des Gelernten für Ihre Lernenden.

Transparenz gegenüber Auftraggebenden und Institutionen

Für Bildungsverantwortliche und Auftraggebende ist DigComp ein bekannter Referenzpunkt. Eine Kursplanung, die explizit auf DigComp-Kompetenzen und -Stufen verweist, kommuniziert Qualität und Vergleichbarkeit – ohne viel Erklärungsaufwand.

Wie das Moodle-Kompetenzmodul funktioniert

Moodle verfügt seit Version 3.1 über ein integriertes Kompetenz-Management-System, das ohne zusätzliche Plug-ins auskommt. Für Lehrpersonen und didaktische Gestalterinnen und Gestalter sind drei Ebenen relevant:

Kompetenzrahmen bilden die Grundlage. Sie werden systemweit angelegt und stehen dann in allen Kursen zur Verfügung. Der Import von DigComp 3.0 erfolgt einmalig durch die Administration.

Kurskompetenzen verknüpfen einzelne Aktivitäten – Aufgaben, Tests, H5P-Elemente, Lektionen – mit Kompetenzen aus dem Rahmen. Sobald eine Aktivität abgeschlossen oder bewertet wird, kann Moodle die zugehörige Kompetenz automatisch als nachgewiesen markieren. Die Verknüpfung nehmen Sie direkt in den Kurseinstellungen oder in der jeweiligen Aktivität vor.

Lernpläne fassen die Kompetenzentwicklung einzelner Lernender zusammen. Sie zeigen, welche Kompetenzen bereits nachgewiesen wurden und welche noch ausstehen.

Der Ablauf in der Praxis ist einfach:

  1. Moodle-Admin importiert den DigComp-3.0-Rahmen (einmalig)
  2. Trainer*innen wählen im Kurs, welche Kompetenzen relevant sind
  3. Sie verknüpfen Aktivitäten mit diesen Kompetenzen
  4. Lernende schließen Aktivitäten ab → Kompetenzen werden nachgewiesen
  5. Berichte und Lernpläne zeigen den Kompetenzstand

Für jede Verknüpfung legen Sie fest, ob alle verknüpften Aktivitäten abgeschlossen sein müssen, eine beliebige reicht oder Sie manuell bewerten möchten.

DigComp 3.0 importieren – Schritt für Schritt

Voraussetzungen

Sie benötigen Administrator-Rechte auf Ihrer Moodle-Instanz sowie die CSV-Datei mit dem DigComp-3.0-Rahmen. Die Moodle-kompatible CSV-Datei vollständig auf Deutsch oder Englisch, mit allen Kompetenzstufen und Competence Statements haben wir hier für Sie aufbereitet:

Import

Navigieren Sie zu: Website-Administration → Kompetenzen → Kompetenzrahmen importieren

Laden Sie die CSV-Datei hoch und achten Sie auf diese Einstellungen:

EinstellungWert
CSV-Trennzeichen, (Komma)
ZeichenkodierungUTF-8

Moodle erkennt die Spalten automatisch. Klicken Sie auf „Kompetenzrahmen hochladen“. Der Import dauert wenige Sekunden.

Importierten Rahmen prüfen

Unter Website-Administration → Kompetenzen → Kompetenzrahmen finden Sie nun „DigComp 3.0″ in der Liste. Klicken Sie darauf: Sie sehen die vollständige Baumstruktur mit fünf Bereichen, 21 Kompetenzen und jeweils vier Stufen mit den deutschen Competence Statements.

Fazit

DigComp 3.0 gibt Ihnen als Lehrperson oder didaktischer Gestalterin und didaktischem Gestalter ein präzises, europaweit anerkanntes Werkzeug, um Lernziele konkret zu formulieren, Kursangebote systematisch zu strukturieren und Kompetenznachweise für Lernende sichtbar zu machen. Das Moodle-Kompetenzmodul setzt diesen Rahmen direkt in die Lernumgebung um – ohne Plug-ins, ohne Umwege.

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